Monatsspruch Juli

Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.
1. Könige 19,7

Dieser Vers entstammt einer Geschichte (1. Könige 18+19), die von den Höhen und Tiefen einer Berufung erzählt.
Der Prophet Elia erlebte sich gerade auf der Erfolgsspur seines Wirkens. Unerschrocken und ausdauernd forderte er das Volk Israel zu einem klaren Bekenntnis zu dem Gott ihrer Väter Abraham, Isaak und Jakob auf. Sein eindrucksvoll inszeniertes Gottesurteil auf dem Berg Karmel und sein blutiger Kampf mit den Baals-Priestern hatten ihn müde und kraftlos werden lassen. Dann erreichte ihn auch noch die Nachricht, dass Isebel, die Frau des Königs Ahab, auf Vergeltung sinnt und ihm nach dem Leben trachtet. Da bekam er es mit der Angst zu tun und lief um sein Leben. Er kam nach Beerscheba und ging dort hinein in die Wüste eine Tagesreise weit. Schließlich setzte er sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben. Er war am Tiefpunkt angekommen, zweifelte an sich selbst, fühlte sich schutzlos ausgeliefert und fragte sich: Wie soll es weitergehen? Darüber schlief er ein. Ein Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Er sah sich um und entdeckte geröstetes Brot und einen Krug Wasser. Nachdem er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder hin zum Schlafen. Und der Enkel kam zum zweiten Mal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. Elia gehorchte, stand auf, aß und trank und ging anschließend durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis er am Berg Gottes, dem Horeb ankam.

Gottes fürsorgliches Handeln an seinem Propheten kommt in dieser Geschichte zum Ausdruck.
Elia darf zur Ruhe kommen, sich ausruhen, sich eine Auszeit gönnen.
Ein Engel rührt ihn an. Eine sanfte Berührung holt ihn behutsam ins Leben zurück und richtet ihn auf. Er spürt, dass Gott zu ihm steht. Das gibt ihm neuen Mut.
Elia soll sich für einen weiten Weg stärken. Dabei wird er nicht zur Eile angetrieben. Er hat Zeit, darf sich Zeit nehmen. Denn für weite Wege braucht es Kraft und Ausdauer. Vor weiten Wegen braucht es Zeiten der Stärkung und des Kraftschöpfens.
Elia tut diese Unterbrechung gut. Er kommt zum Nachdenken. Er schaut mutig nach vorne und legt ab, was ihn belastet hat.

Die Geschichte macht Mut. Verheißt sie doch: Auch in Zeiten, in denen uns unser Leben oder unser Alltag zur Last werden, dürfen wir mit Gottes Nähe und seinem fürsorglichen Handeln rechnen.

Darüber hinaus legt uns der Monatsspruch ans Herz, darauf zu achten, dass wir genug Auszeiten nehmen, Zeiten, die zum Ausruhen, zur Stärkung und zur Reflexion dienen. Nicht nur zu Beginn eines weiten Weges auch auf dem Lebensweg mit seinen vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen.

Wer hat nicht schon mal die Erfahrung gemacht, dass die erhofften oder geforderten Erfolge, die eigenen oder fremden Erwartungen zu großen Belastungen werden können. Selbst sprühende Begeisterung und Tatkraft schützen uns davor nicht immer. Denn niemand ist davor gefeit, an die Grenzen seiner körperlichen, geistigen oder seelischen Kraft zu gelangen.

Unser Monatsspruch erinnert uns, was hilft, wenn ich nicht mehr funktioniere? Wenn ich meinen eigenen Ansprüchen nicht mehr genüge? Wenn meine Kraft, auf die ich mich immer verlassen konnte, mich verlässt?

Der Engel verkörpert es: ausgiebige Ruhe – eine sanfte Berührung, die aufrichtet – Stärkung für Leib und Seele.

Mögen uns solche Engel begegnen und mögen wir selbst für andere zu solchen Engeln werden.

Es grüßt Sie
Ihre Siglinde Gallus