Lutherrose als Mosaik

Vor dem Treppenaufgang zur Kirche in Groß-Rechtenbach befindet sich die Lutherrose als Mosaik.

Sie ist das Erkennungszeichen Martin Luthers, das Wappen seiner Familie.
Sie besteht aus vier Elementen:
– das schwarze Kreuz – es soll an Jesus Christus erinnern
– das rote Herz – das Evangelium soll man mit dem Herzen begreifen
– die weiße Rose – der Glaube an Gott schenkt Freude und Frieden
– der goldene Ring – ein Zeichen für Gottes Ewigkeit

Die Lutherrose erinnert an Martin Luther und den Beginn der Reformation am 31.10.1517.
Jedes Jahr am Reformationstag denken wir an den Thesenanschlag Martin Luthers, der den Beginn einer grundlegenden Veränderung und Erneuerung der Kirche darstellte.
Die Wiederentdeckung der befreienden Gnade Gottes, wie sie das Evangelium von Jesus Christus bezeugt, führte zu einer dankbaren Erkenntnis der umfassenden Liebe und Treue Gottes, die wiederum als Folge die Stärkung der Freiheit und Eigenverantwortung jedes einzelnen Christenmenschen ermöglichte.

Der Tagesspruch aus 1. Korinther 3,11 erinnert uns: Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

Martin Luther betonte, wie wichtig es ist, dass jeder Mensch in der Bibel lesen kann, um an die Quelle zu kommen, Trost und Wegweisung für sein Leben zu finden und Gottes Wort in seinen persönlichen Alltag zu integrieren. Getragen von Gottes Zuspruch verbindet er den Anspruch Gottes an uns, das Leben verantwortlich zu gestalten, den Glauben öffentlich zu bekennen und zu leben. Luther übersetzte die Bibel ins Deutsche, schrieb den Kleinen und Großen Katechismus und machte sich dafür stark, dass jede und jeder die Möglichkeit erhält, lesen und schreiben lernen.

 

Glockenläuten der Kirchen in Rechtenbach

Glockenläuten sind doch ein Teil des kirchlichen Lebens und immer Zeichen zum Innehalten.

Vor einiger Zeit kam in einem Gespräch die Frage auf, nach welchen Kriterien die Glocken der Kirchen Groß- und Klein-Rechtenbach läuten würden. Für die „alten“ Einwohner Rechtenbachs, bzw. den Menschen, die schon lange hier leben, sind dies natürlich ganz selbstverständliche und bekannte Vorgänge. Es gab daher die Bitte, dies doch vielleicht einmal genauer zu erläutern, um auch vielen Zugezogenen das Läuten der Kirchen nahe zu bringen. Daher stellen wir nachstehend die sogenannten“ Läuteordnungen“ unserer beiden Kirchen vor, nach denen die Glocken erklingen. Hierzu muss man erläuternd festhalten, dass die Kirchengemeinden Klein- und Groß-Rechtenbach in früheren Zeiten verschiedenen Landeskirchen (Grafschaften) angehörten. Erst später gehörten die beiden Kirchengemeinden als zwei eigenständige Kirchengemeinden zur Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Läuteordnungen von früher wurden jedoch anscheinend wohl übernommen, auch nach nachdem die zunächst beiden selbständigen Gemeinden sich zu einer Kirchengemeinde ab dem 1. Januar 1970 zusammengeschlossen haben. Die Unterschiede sind jedoch nicht von großem Ausmaß, jedoch erinnern sie die Bürger an die früher bestehenden Einzelgemeinden. Zu erwähnen ist noch, dass in der Kirche Groß-Rechtenbach ein Dreier-Geläut besteht (a – h – cis), dagegen befinden sich in der Kirche Klein-Rechtenbach zwei Glocken.

Läuteordnung Kirche Groß-Rechtenbach

täglich

7.00 Uhr –   Tag läuten – kleine Glocke

12.00 Uhr –  Mittag läuten – kleine Glocke

18.00 Uhr –  Nacht läuten – kleine Glocke

wöchentlich

am Samstagabend um 18.00 Uhr (früher war dies um 17.00 Uhr)

An allen Sonn- und Feiertagen,

Gottesdiensten in der Adventszeit und in den 4 Wochen vor Ostern, an denen an Samstagen Andachten stattfinden, jeweils 1 Stunde vor Gottesdienstbeginn 10 Minuten mit der kleinen Glocke (Zeichen läuten)

dann 10 Minuten vor Beginn des Gottesdienstes oder der Andacht mit allen drei Glocken

Dies ist so festgelegt für alle Gottesdienste und Andachten, die stattfinden.

Beim Gottesdienst im Gemeindehaus ebenfalls dieses zweimalige Läuten eines Gottesdienstes.

Dies ist gilt ebenso für alle christlichen kirchlichen Feiertage

Heilig Abend, Gründonnerstag, Ostern, Himmelfahrt, Reformationstag

Von Gründonnerstagabend über Karfreitag bis Ostermorgen ist kein Läuten der Glocken, während dann am Ostermorgen das volle Geläut von der Auferstehung Jesu kündet.

 

Während jedes Gottesdienstes oder jeder Andacht erfolgt das Läuten beim Vater unser Gebet

Hochzeiten

1 Stunde vor Beginn der Trauung 10 Minuten mit kleiner Glocke (Brautzeichen läuten)

10 Minuten vor Beginn des Traugottesdienstes mit allen drei Glocken,

auch hier das Vater unser läuten

 

Beerdigungen / Trauerfeier

am Morgen des Beerdigungstages um 9.00 Uhr mit allen 3 Glocken

3 x 10 Minuten, jeweils dazwischen 1 Minute Stille

10 Minuten vor Beginn des Trauergottesdienstes mit allen 3 Glocken

An Silvester „Neujahrsläuten“ um 24.00 Uhr mit allen 3 Glocken

heute nur noch 15 Minuten, früher 1 Stunde

Nach Absprache oder bei besonderen Ereignissen erfolgt Glockengeläut, hier

z.B.  ein Friedensläuten oder im Zuge schwerer Ereignisse.

 

Die wenigen Ausnahmen der Läuteordnung Kirche Klein-Rechtenbach sind:

Täglich

Das Tagläuten ist bereits um 6.00 Uhr am Morgen mit der großen Glocke.

Hochzeit

Am Tag der Hochzeit wird von 9.30 – 10.00 Uhr geläutet mit der großen Glocke.

Beerdigungen/Trauerfeier

Es wird ununterbrochen von 9.00 – 9.30 Uhr geläutet mit der großen Glocke

An Sonn- und Feiertagen

Wird im Gegensatz zur Kirche Groß-Rechtenbach zum „Zeichenläuten“  ½ Stunde vor Beginn des Gottesdienstes 2 Minuten geläutet.

Zu den Gottesdiensten und Andachten wird wie auch in Groß-Rechtenbach mit vollem Geläut eingeladen.

 

Alle weiteren Regelungen sind gleich.

 

Unseren Jugendlichen, die beim Kennenlernen der Kirche diese Ausführungen erfahren, stelle ich auch schon einmal die Frage, was meint ihr denn, wie die Vorväter zu diesen Läuteordnungen kamen, insbesondere den Zeiten? Die Jugendlichen kommen oft schnell mit Antworten und ich denke, auch allen Lesern dieses Berichtes wird deren Antwort auch einleuchten.

Zunächst: die Glocken rufen die Menschen zu den Gottesdiensten und Andachten zusammen und laden ein. Aber auch aus anderen Gründen war das Läuten in früheren Zeiten für die Menschen in mehrerer Hinsicht hilfreich. Früher kannten die Leute keine Armbanduhren. Sie arbeiteten im Feld, im Garten, im Wald oder wo auch immer und beim 12 Uhr-Läuten wussten sie, dass jetzt Mittagszeit ist. Die Menschen waren sich auch des Rufens der Glocken bewusst, unterbrachen sie doch ihre Arbeit, um ein Vater-unser-Gebet zu sprechen.

Aber ist das Läuten nicht auch ein Zeichen der Trinität? Das Morgenläuten erinnert daran, beginne deinen Tag unter Gottes Wort und das Abendläuten eine Erinnerung als Dank für die gelungene Arbeit, (das Tagwerk ist vollbracht) den gesamten Tag und als Bewahrung für die Nacht.

Auch ein Notruf mit Glockengeläut erfolgte in früheren Zeiten zu den Menschen, war es evtl. ein Feuer oder auch einfallende Soldaten in noch früheren Zeiten.

Ganz besonders beachtet wurde früher auch das Läuten am Samstagabend. Als Kinder hörten wir von den älteren Menschen: „jetzt wird der Sonntag eingeläutet“. Aus Gesprächen ist mir bekannt, dass es auch heute noch Menschen gibt, die ganz bewusst am Samstagabend auf dieses Zeichen des Läutens warten.

Ein besonderes Zeichen war zudem, dass ein Neujahr mit einer Stunde Läuten begrüßt wurde. Heute hört man durch die Böller usw. oft das Glockengeläut nicht mehr. Zu früheren Zeiten wurde darauf gelauscht, ja sogar irgendwie gewartet.  Wurde doch damit auch das Zeugnis abgegeben, dass Gott und Jesus Christus, somit die Kirche auch im neuen Jahr an der Seite der Menschen sein will, wie ein Segensgruß, ein Segenswunsch! Vielleicht achten Sie selbst im nächsten Jahr einmal auf das Läuten der Kirchenglocken zum Neujahr.

 

Auch das dreimalige 10-Minutenläuten um 9.00 Uhr bei Beerdigungen bzw. Trauerfeiern erinnert an die Trinität: Gott Vater, Sohn Jesus Christus und Heiliger Geist. Dieses „Zeichen- oder Erinnerungsläuten“ deuten manche auch für die Taufe, das Leben und die Konfirmation und nun das Sterben und Heimgehen zu Christus.

Im Zusammenhang mit dem Läuten auch aus früherer Zeit ist sehr interessant, dass die Glocken zu Gottesdiensten, Hochzeiten und Beerdigungen von den Konfirmanden geläutet werden mussten. Einige Rechtenbacher werden sich sicherlich an diese Zeit noch erinnern. Auch daran, dass die große Glocke, die ja immerhin 13 Zentner wiegt, an Seilen mit der Hand geläutet werden musste. Gar mancher Jugendliche war allein zu schwach und wurde mit dem Seil hochgezogen, so dass meist zwei Jungen diese Glocke läuteten. Vielleicht ist dies auch der Grund, dass zu den anderen Zeiten immer nur die kleine Glocke läutet, da der Küster der Kirche dies ja alleine während der Woche verrichtete. Heute erfolgt das Läuten elektronisch, was natürlich eine große Erleichterung ist.

Wenn wir auf den Dreiklang der Glocken hören, kann man sehr gut mit den Glockenschlägen die Worte nachsprechen: Jesus Christus ist bei dir. Eine Einladung: Versuchen Sie es selbst einmal.

Weitere Informationen, insbesondere auch zur Zugehörigkeit der beiden Kirchen in früheren Zeiten zu anderen Landeskirchen oder das Kirchenleben in Rechtenbach nach der Reformation – oder weitere Informationen über die wechselvolle Geschichte und Größe der Glocken finden sich dazu im 1200-Jahrbuch der Gemeinde Hüttenberg. Zu weiteren Fragen hinsichtlich der Glocken und dem Läuten in der Kirche Klein-Rechtenbach kann gerne Frau Bloch-Moos angesprochen werden.

Lassen wir uns immer wieder mit dem Glockengeläut zu Gottes Wort oder Gebeten einladen. Erinnern uns daran, dass Frieden verkündet werden soll, so, wie die Inschrift auf der kleinen Glocke in der Kirche Groß-Rechtenbach lautet und was uns damit zugerufen wird:

Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.

Loni Neul

 

 

Kirche Groß-Rechtenbach   -Erinnerungen-/ Rückblick

TRACHTET*AM*ERSTEN*NACH*DEM*REICH*GOTTES*UND*NACH*SEINER* GERECHTIGKEIT*ANNO 1638…………………

Diese Inschrift ist auf einem Balken an der oberen Seite unterhalb des Daches der 1638 erbauten Kirche zu lesen, einem Eichenbalken, der also vor ca. 386 Jahren dort eingebaut wurde.

Warum ein Rückblick zur Groß-Rechtenbacher Kirche?

Seit vielen Jahren findet hier immer in den Sommermonaten die Aktion „Offene Kirche“ statt. Termine, bei denen Besucher – ganz wie sie es wollen – einfach zur Ruhe kommen können, für sich selbst beten oder aber auch das Gespräch mit anwesenden Personen führen.

Offene Kirche haben wir zunächst 6 Wochen täglich von 17.00 bis 19.00 Uhr durchgeführt, heute finden die Termine nur noch an Freitagabenden statt.

Ich habe bei meinen „Diensten“ Besucher aus Amerika (mehrmals), Kolumbien, Frankreich, Österreich, Schweiz, Schottland (sogar im Kilt, dem Schottenrock), der Ostseeküste, aus Süddeutschland, Berlin, sowie der näheren und weiteren Umgebung von Rechtenbach erleben dürfen. Mal waren es Menschen, die aus Rechtenbach stammten und weggezogen waren und ihre „Heimatkirche“ besuchen wollten, der Erinnerung nachgehen, den Enkeln zeigen; andere Male Menschen, die einfach das Schild „Offene Kirche“ im Vorbeifahren, – gehen oder -radeln gesehen hatten.

Ein Hochgenuss war es, wenn Alfred Bonn „Dienst“ tat und dann mit Orgelmusik den Kirchenraum füllte, bzw. Dagmar Thomes Geschichten vorlas.

Ein besonderes Erlebnis war über Jahre hinweg die Bibelausstellung. Angefangen mit Kinderbibeln bis zu alten Bibeln aus dem 19. Jahrhundert. Natürlich erfolgten alle „Dienste und Angebote“ ehrenamtlich.

Immer wieder wurde über unsere Kirche informiert und Fragen beantwortet. Ich konnte auch viele Schulklassen und zahlreiche Jugendliche informieren. Nur ältere Gemeindeglieder werden sich an verschiedenes aus unserer Kirchengeschichte erinnern, so dass ich einmal einiges festhalten möchte, gerade für jüngere Menschen unserer Gemeinde.

Dies beginnt allein schon beim Betreten des Grundstückes.

Nur wenigen wird noch erinnerlich sein, dass früher dort rund um die Kirche der Friedhof war. Bis Anfang der 1950er Jahre waren noch Gräber mit Grabsteinen zu sehen.

Im Außenbereich auch das Denkmal der Opfer der Soldaten des 1. und 2. Weltkrieges. Die Kinder und Jugendlichen konnte ich immer darauf hinweisen, dass aus unserer Gemeinde im Krieg 1914 – 1918 insgesamt 18 junge Männer ihr Leben lassen mussten, während die Tafeln des 2. Weltkrieges 91 Namen aufweisen, (angesichts der damaligen Einwohner von Groß-Rechtenbach eine hohe Anzahl), wobei jedoch hier auch der Männer der Familien gedacht ist, die nach dem Krieg in Rechtenbach ihre neue Heimat gefunden hatten. Nicht enthalten sind auf den Tafeln die Namen der Männer aus Klein-Rechtenbach, da zum damaligen Zeitpunkt beide Gemeinden noch eigenständige Gemeinden waren.

Das 1. oder alte Denkmal, dieses ist noch auf einem Bild im Raum des 1. Stockes zu sehen (ein hoch aufgerichteter abgebrochener Pfeiler) wurde im Zuge des Anbaus an die Kirche abgerissen und das neue Denkmal entstand.

Ebenfalls musste ich bei entsprechenden Fragen mitteilen, dass es durch den Tod junger Männer manche Familien nicht mehr gibt (so z.B. eine Familie Weber – wohnhaft früher Hauptstraße, heute Frankfurter Straße).

Betritt man die Kirche – den Anbau, der 1960 errichtet wurde – sieht man gleich zur Rechten die Treppe nach oben und die Tür zum Kellerabgang (hier befinden sich Heizungsanlage und Toilette), sowie direkt an der Wand die Läuteanlage der Glocken. Zu den Glocken erspare ich mir hier Ausführungen, da ich vor einiger Zeit darüber berichtet habe.

Die nächste Tür führt in die Sakristei.

Im Schrank dort befinden sich die verschiedenen Antependien (sprich Kanzel- bzw. Altarbehang), Abendmahlkelche, Gefäß für Brot, Taufschale und Wasserkrug, allesamt schon viele, viele Jahre im Besitz der Gemeinde.

Die noch älteren Abendmahlkelche (evtl. 18. Jahrhundert oder älter) sind in dem Schrank im Flur, in dem Material zum Weitergeben liegt, ausgestellt.

Nach der Sakristei befindet sich ein Ausgang zur hinteren Kirchenseite.

Dort an der Wand befindet sich auch die Lautsprecheranlage, sowie das Gerät zur Aufnahme von Gottesdiensten.

In der Mitte ist die Eingangstür, die vor dem Anbau Eingang zur gesamten Kirche war. Bilder davon, die sich auch in dem oberen Raum befinden, zeigen dies.

Von dort der Blick ins Kirchenschiff und den Altarraum mit Kanzel und Orgel.

Früher befanden sich im Altarraum kleinere Räume für den Pfarrer gleich im Anschluss an die Kanzel und auf der anderen Seite für die Presbyter. Hinter dem Altar saßen die Konfirmanden, nicht die Mädchen. Diese saßen in der ersten Bankreihe.

Bei einem Schwelbrand 1970 wurde der Altarraum sehr in Mitleidenschaft gezogen. So verkohlte der wunderschön geschnitzte Altar und es befindet sich nun dieser schlichte Altar dort.

Ebenso wurde das Kanzeldach zerstört. Beides auf Bildern in der Ausstellung zu sehen.

Im Zuge der Renovierungsarbeiten fielen dann die Räume für Pfarrer und Presbyterium weg, ebenso die Holzstützen (zur Empore). Es entstand der Bogen zum Altarraum. Ebenfalls wurde der Aufgang zur Orgel auf die jetzige Seite verlegt. Der „alte Aufgang“ ist auf einem Bild zu sehen, auf welchem Richard Lang als Jugendlicher die Orgel spielt. Erwähnenswert auch, dass zur damaligen Zeit immer der Blasebalg bedient werden musste, damit die Orgel überhaupt gespielt werden konnte.

Unsere Jugendlichen und Kinder konnte ich immer fragen, wie man die Orgel noch nennt.

Königin der Instrumente. Ja, das ist die Orgel, jede Orgel. Hier in der Kirche wurde diese 2015 für etliche tausend Euro komplett restauriert. Im Altarraum befindet sich heute zusätzlich zur Orgel ein Clavino, welches von Frau Ottilie Bonn, (Frau des verstorbenen Organisten Alfred Bonn) der Kirche geschenkt wurde. Es kommt nun häufig bei Gottesdiensten und Konzerten zum Einsatz.

Ja, hier im Altarraum hat sich einiges verändert.

Bei einer Lampe, die vom Dachboden kommt, ist ein etwas größeres Loch erkennbar. Dort kamen früher die Glockenseile herunter, mit denen die Glocken vor der Elektrifizierung immer per Hand geläutet werden mussten. An Sonn- und Feiertagen bzw. bei Beerdigungen war dies Aufgabe der Konfirmanden. Da die große Glocke so schwer war, wurde bei dieser das Läuten oft von zwei Jugendlichen verrichtet, da einer allein vielleicht mit dem Seil hochgezogen worden wäre.

Auch die Bilder an den Vertäfelungen oben wurden bei dem Schwelbrand vernichtet.

Auf dem Altar befinden sich stets Kreuz, eine aufgeschlagene Bibel, Kerzen und Blumen.

Früher stand hinter dem Altar ein großes schweres Bronzekreuz, ca. 2,00 bis 2,50 m hoch mit  gekreuzigtem Jesu. Dieses wurde von Konfirmanden auch bei Beerdigungen vor dem Sarg vom Haus aus bis zum Friedhof getragen. Das Kreuz ist aus unerfindlichen Gründen nicht mehr vorhanden, so dass sich nunmehr das vergoldete Kreuz auf dem Altar befindet.

Auf einem schmiedeeisernen Ständer beim Altar steht die Osterkerze, die in jedem Gottesdienst brennt. Jede Taufkerze wird an dieser angezündet, sowie am Ewigkeitssonntag eine Kerze zum Andenken an Verstorbene.

Früher gab es auch in der Kirche eine „Sitzordnung“. Männer waren grundsätzlich auf der Empore. Verwitwete ältere Frau saßen hinten in Bänken. Dann kamen jung verheiratete Frauen und in den vorderen Reihen saßen die unverheirateten Frauen bzw. jungen Mädchen.

Ebenso gab es – bis noch vor einigen Jahrzehnten – das sogenannte „Ständeabendmahl“.

Dies bedeutete, dass immer nur die Menschen zum Abendmahl gingen, d.h. entsprechend ihrem Stand oder ihrer Generation, somit ältere Menschen, jüngere verheiratete Gemeindeglieder, und die Jugend. Zum Glück hat sich dies geändert.

Oben in der Kirche hat sich nicht viel geändert. Der Raum mit den Bildern war früher der Mutter-Kind-Raum. Hier konnten Mütter/Väter mit ihren kleinen Kindern, die dort spielen konnten, über Lautsprecher den Gottesdienst mitverfolgen.

Nach dem Anbau 1960 (damals war der Kirchenraum im Gegensatz zu heute zu klein) erfolgten dann im Laufe der Jahre verschiedene Renovierungsarbeiten, so 1970 (durch den Schwelbrand) und 1990, sowie in 2006/2007 eine solche bei der auch Feuchtigkeitsschäden an der Außenseite und schadhafte Schieferstellen am Dach ausgebessert wurden, sowie im Innen- und Eingangsbereich, als auch der Außenanlage.

An dieser Stelle bleibt festzuhalten, dass mir Malermeister Friedrich Jung erzählt hat, dass früher nur sogenannte „Kirchenmaler“ Anstreicherarbeiten oder Renovierungen in einer Kirche durchführen durften. So sei 1936 eine Renovierung des Innenraumes erfolgt, bei der er als junger Meister im Alter von 28 Jahren die Farben für sämtliche Anstriche von Kanzel, Bänken, Wänden und allen anderen Holzteilen mischen musste. Die Arbeiten selbst erfolgten dann durch einen Kirchenmaler aus Koblenz.

Weiter ergänzte Herr Jung, dass zur damaligen Zeit rechts im hinteren Drittel der Kirche

(knapp vor der Männerempore) ein sehr großer Ofen mit ganz normaler Holz- und Kohlefeuerung zum Beheizen der Kirche stand. In der Nähe des Ofens und des Ofenrohres sei bei Feuerung im Winter kaum ein Aufenthalt durch sehr große Hitze möglich gewesen, dennoch haben die weiter entfernten Besucher gefroren. Es war auch so, dass die Kirchenbesucher meist selbst für Holz und Kohle sorgen mussten.

2012 wurden bei einer Turmsanierung Balken im Dachbereich ausgetauscht, sowie die Schieferabdeckung dort ausgebessert.

Oben auf dem Speicher befindet sich auch noch die alte Turmuhr, die mit Hand aufgezogen werden musste, während die jetzige Uhr elektronisch betrieben wird.

Vielleicht erinnern sich noch einige Gemeindeglieder an die Aufschrift auf dem Ziffernblatt der alten Uhr (meine Zeit steht in deinen Händen). Dieses sollte eigentlich im Kirchgarten aufgebaut werden, war jedoch nach dem Abstellen dort plötzlich verschwunden.

Was im Laufe der Jahre hinzugekommen ist und im Eingangsbereich zu sehen ist, ist ein sogenannter Taufbaum. Hier wird für jedes getaufte Kind ein Äpfelchen aufgehängt. Am Jahresende können die Familien dieses abnehmen und zu Hause aufbewahren.

Abschließend ein Überblick über die Bilder, die sich im „Mutter-Kind-Raum“ als Ausstellung befinden:

Innenraum der Kirche

– vermutlich Ende oder nach 1. Weltkrieg 1918-

– Kränze oben an der Vertäfelung der Empore, die durch die Familien der Gefallenen zum Volkstrauertag bzw. Ewigkeitssonntag des 1. Weltkrieges 1914 – 1918 (18 getötete junge Männer) angebracht, wobei die Namensschilder nicht lesbar sind.

– rechts unterhalb der Kanzel Raum für den Pfarrer

– links Raum für Presbyter (jeweils vom Eingang her gesehen)

– Bild mit nur 2 Glockenseilen, da im 1. Weltkrieg eine Glocke eingeschmolzen wurde

– vorne der Raum für die Jugendlichen (Konfirmanden und neu Konfirmierten)

– Innenraum der Kirche 1942/43 anlässlich der Trauung der Ehepaare Hahn und Rücker

 

Zu beachten:

Auf dem einen Bild fehlt der Raum für die Presbyter – vermutlich bei der Renovierung 1936 entfernt –

Hier sieht man aber noch 3 Glockenseile

Innenraum der Kirche noch während des 2. Weltkrieges.

Es ist nur noch 1 Glockenseil vorhanden, 2 Glocken wurden abgeholt und eingeschmolzen.

Zu beachten: die Löcher bei den Lampen für die Glockenseile.

Deutlich zu sehen auch – wie auf den Bildern vorher – die Treppe, die hoch zur Orgel führte.

Anmerkung:

Am Ende der Treppe befand sich der Blasebalg, der bedient werden musste, damit die Orgel gespielt werden konnte. Der Orgelspieler musste hinter der Orgel zu seinem Platz.)

Auf allen Bildern ist die wunderschöne Orgel zu sehen, die mit goldfarbenen Verzierungen ausgestattet war.

Ebenso sind auf den Bildern das sehr schöne Kanzeldach zu sehen, sowie nur ein kleiner Teil eines sehr schönen Altars, der durch den Schwelbrand 1970 zerstört wurde.

Zu sehen sind noch die früheren Holzstützbalken, die bei der Renovierung entfernt wurden.

Als weitere Bilder finden sich dort:

… die Kirche vor dem Anbau (Umzäunung des Grundstückes)

… Bild eines früheren Pfarrers

… das alte Denkmal (1914-1918) mit den 18 Gefallenen (jede Tafel 9)

… Bilder der Glocken mit ihren Inschriften, sowie ein Bericht zu der doch sehr wechselhaften Geschichte der Glocken

… Bild mit Bericht von der Renovierung 2006

… Bild in welchem man Girlandenschmuck sieht (Kreuz in einer Glocke) aus Tannenreisig und selbst gebastelten Rosen – hergestellt von Konfirmanden anlässlich ihrer Konfirmation –

 

Kurz noch einige Zahlen und Hinweise, die im 1200 Jahrbuch der Gemeinde enthalten sind. In diesem Buch kann vieles zum kirchlichen Leben der beiden Kirchen nachgelesen werden.

 

1638 – Bau der Kirche zu Groß-Rechtenbach (während des 30-jährigen Krieges 1618 1648

Im 1200 Jahrbuch heißt es dazu sinngemäß, dass es von den Gemeindegliedern mutig gewesen wäre, in dieser Zeit eine Kirche zu bauen)

1657 – Einbau der Sitzbänke. Die Familien erhielten je nach ihrer Spende für die Kirche ein Sitzrecht in einer bestimmten Bank, genannt die „Weiberstühl“. Je höher die Spende desto weiter vorne der Sitzplatz

1655 – besuchten 76 Personen das Abendmahl

1685 – waren es lediglich 53 Personen

1699 waren es 100 Personen

1742 – wurde von dem Groß-Rechtenbacher Schreiner Johann Heinrich Demandt eine neue Kanzel in der Kirche eingebaut

1761 – Anfang Juni stellte der damalige Pfarrer Johan Friedrich Stein fest, dass zum Abendmahl die Kirche in Klein Rechtenbach immer der Kelch in Groß Rechtenbach ausgeliehen werden musste, bis dort ein für 1 ½ Gulden stark vergoldeter Kelch gekauft werden konnte.

1831 – Erweiterungsbau

1855 – erfolgte die Einweihung des neuen Friedhofes in Groß Rechtenbach, der sich rund um die Kirche befand

1914 – wird die Orgel, die aus dem Jahr 1871/1872 stammt, von dem Orgelbauer Heinrich Eichhorn aus Weilmünster repariert.

 

Vielleicht können sich Gemeindeglieder noch an die schöne 350 Jahrfeier unserer Kirche erinnern, als diese mit einer roten Schleife anlässlich des „hohen Geburtstages“ geschmückt war und an Erfahrungen, die sie damals erlebten.

Erwähnenswert ist noch der Umstand, dass nach dem 2. Weltkrieg viele Menschen nach hier kamen, die katholischen Glaubens waren. Bis zum Bau ihrer Kirche in Hochelheim nutzten die katholischen Schwestern und Brüder die hiesige Kirche für ihre Gottesdienste, Hochzeiten, Trauerfeiern usw.  Ein gutes Miteinander, was bis heute gilt.

Auch erinnern sich bestimmt viele daran, dass zu früheren Zeiten die Sonntagsgottesdienste immer im Wechsel mit der Kirchengemeinde Klein-Rechtenbach um 9.30 Uhr bzw. 11.00 Uhr stattfanden. Seit ca. 25 Jahren und dem Zusammenschluss zu einer Kirchengemeinde findet jeweils der Gottesdienst im Wechsel des Ortes um 10.00 Uhr statt.

Zum Ende des Berichtes kann ich nur festhalten, dass mich einerseits immer bewegt, wieviel Freude und Leid, wie viele Gebete, Dank und Lob die Kirche erfahren hat und zum anderen: was die Menschen mit dem Bau unserer Kirche im Jahr 1638 – also während des 30-jährigen Krieges geleistet haben. Welches Vertrauen und welche Leistung und Kraft haben sie aufgebracht. Ebenso was die Menschen mit dem Erweiterungsbau 1831 und dem späteren Anbau in den damals doch schlechten Zeiten, das Meiste in Hand – und Spanndienst, geleistet haben. Ich kann nur hoffen und wünschen, dass trotz der nun schlechter werdenden finanziellen Situation bei den kirchlichen Institutionen unser einfaches schlichtes Kirchlein erhalten wird. Dass die Menschen schätzen, was sie mit ihrer „Heimatkirche“ haben und alle Kraft für deren Erhalt einsetzen. Ein Wunsch auch für die folgenden Generationen.

Es ist und bleibt ein Haus Gottes.

 

Loni Neul